„Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“

„Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“

Am 08.03. fanden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Diese waren auch Richtungswahlen für die Jugend: In keiner anderen Wahl wird über deren Lebensrealität so unmittelbar entschieden. Wir befassen uns als BDKJ Bayern daher mit der Frage: Was benötigen junge Menschen, um sich erfolgreich auf der politischen Kommunalebene zu beteiligen?

Marlene Tuschl ist Projektreferentin beim Forschungsprojekt „Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“ der KLJB Bayern. Das Projekt untersucht Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen im ländlichen Raum. Im Interview gibt Marlene Einblicke in ihre Arbeit und schildert die ersten Erkenntnisse. (Foto: Thomas Bernard.)

Über das Projekt

Das Team des Forschungsprojektes "Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“
Das Team des Forschungsprojektes „Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“ (Foto: Thomas Bernard.)

Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Bayern startete das Projekt „Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“ im Januar 2025 mit dem Hintergrund der vorhergegangenen Studie der KLJB Bayern „Stadt.Land.Wo? Was die Jugend treibt.“ Diese hatte die Beweggründe junger Menschen untersucht, aus ländlichen Regionen in Bayern wegzugehen, dort zu bleiben oder zurückzukommen. Das Ergebnis: Viele junge Menschen leben sehr gerne auf dem Land. Die sozialen Netzwerke und das Zugehörigkeitsgefühl spielen dabei eine wesentliche Rolle. Sie drücken aber auch klar aus, woran es mangelt. Zum Beispiel bei den Themen Mobilität, Vielfalt auf dem Land und Jugendbeteiligung.
Genau hier setzt das neue Projekt an. Das Projekt soll erforschen, welche Faktoren wichtig sind, eine erfolgreiche Jugendbeteiligung in ländlichen Räumen aufzubauen und zu etablieren. Das Vorhaben läuft in zwei Landkreisen gleichzeitig: Rottal-Inn und Donau-Ries mit jeweils einem*r Projektreferent*in. Hinter dem Projektreferent*innen steht das Team der Projektsteuerung.

Die wissenschaftliche Begleitung geschieht in Kooperation mit der Universität Bayreuth unter Leitung von Professor Dr. Manfred Miosga. Im Rahmen eines Seminars gehen die Studierenden verschiedenen Fragestellungen in Bezug auf kommunale Jugendbeteiligung nach. Dabei wurden Interviews mit den Projektkommunen, den Jugendlichen vor Ort und den Projektreferent*innen geführt.

Zum Start des Projektes wurden alle 75 Kommunen der beiden Landkreise mit einer kurzen Projektbeschreibung und der Bitte nach einem Erstgespräch angeschrieben. Das Erstgespräch diente dazu die Kommune besser kennenzulernen und das Vorhaben detaillierter vorzustellen. Durch die Analyse verschiedener Faktoren und der Begutachtung des Landesentwicklungsplans wurden pro Landkreis jeweils fünf Kommunen ausgewählt.

Um die Zielgruppe der 14 – 21-Jährigen zu erreichen, wurden über das Frühjahr und Sommer 2025 hinweg Veranstaltungen besucht, Gespräche geführt, Flyer verteilt, Stände mit Aktionen angeboten und Social Media-Präsenz gezeigt. Nachdem das Vorhaben bekannter unter der Zielgruppe geworden ist und erste Eindrücke gesammelt wurden, wurde in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Kommune eine Einladung zur Jugendversammlung an alle dort gemeldeten 14–21-Jährigen per Post verschickt. Die Jugendversammlungen gaben den Startschuss für die praktische Projektarbeit. Dort wurden Fragen geklärt, wie sich die Jugendlichen in ihrem Wohnort fühlen, ob sie das Gefühl haben, gesehen und gehört zu werden und welche Ideen sie für die Kommune haben oder bei welchen Themen sie sich gerne einbringen würden.

Eine von mehren Beteiligungsveranstaltungen, die im Rahmen des Projektes durchgeführt wurden.
Eine von mehren Beteiligungsveranstaltungen, die im Rahmen des Projektes durchgeführt wurden. (Foto: Marlene Tuschl.)

Auf Grundlage der ersten Veranstaltung wurden die Projekte und Ideen in den danach folgenden Treffen konkretisiert und ein Vorgehen geplant. All dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Kommunen, besonders mit den Jugendbeauftragten der Gemeinden.
Im Laufe des Projekts wurde mehr und mehr deutlich, dass die Jugend nicht, wie oft behauptet, nur an sich denkt und überzogene Wünsche hat, sondern, dass auch für sie die Gemeinschaft und das Miteinander im Vordergrund steht. Auch der Jugend sind Themen wie das Zusammenbringen Menschen aller Altersklassen, Verkehrssicherheit, Natur- und Tierschutz, Gestaltung des Ortes usw. sehr wichtig.
Auch kommunale Themen sind für sie von Bedeutung. Sie wollen sich einbringen und ihren Wohnort mitgestalten.

Das Projekt „Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“ endet am 31.12.2026, daher kommt nun von kommunaler Seite und besonders von den Jugendlichen immer öfter die Frage: „Wie geht’s danach weiter?“
In jeder Kommune gibt es mindestens eine*n ehrenamtliche*n Jugendbeauftragte*n und es gibt je eine Stelle in der Kommunalen Jugendarbeit für die Landkreise. Jedoch ist die Arbeit der Jugendbeauftragten der Kommunen ehrenamtlich und sie haben in der Regel keine bis wenig Fachkenntnisse. Ebenfalls problematisch ist, dass eine einzelne Kommunale Jugendarbeitsstelle für den kompletten Landkreis schlichtweg nicht ausreicht, um den Beteiligungsbedarf und -wunsch der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im ländlichen Raum erfüllen zu können.

„Stadt.Land.Wie? Jugend bewegt.“ wurde entworfen, um zu erforschen, wie Jugendbeteiligung im ländlichen Raum funktionieren kann und hat schon jetzt sehr deutlich aufgezeigt, dass die Rahmenbedingungen für gelingende Jugendbeteiligung maßgeblich sind.

 

Alle Forschungsergebnisse können ab Ende 2026 in unserer Veröffentlichung nachgelesen werden. Die Publikation der Vorgängerstudie „Stadt.Land.Wo? Was die Jugend treibt.“ können unter https://landjugendshop.de/produkte/stadt-land-wo-was-die-jugend-treibt/ erworben werden.

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