Nicht harmlos, aber legal – Suchtprävention und bewusster Substanzkonsum

Nicht harmlos, aber legal – Suchtprävention und bewusster Substanzkonsum

Landesausschuss I 2026


Einleitung

Erklärtes Ziel der katholischen Jugendarbeit ist es, Menschen bei der Aufgabe zu unterstützen, ein eigenes soziales Selbst zu entwickeln. Mit diesem Antrag legt der BDKJ Bayern einen besonderen Fokus auf die Suchtprävention im Zusammenhang mit Substanzkonsum. Er konkretisiert dabei das Ziel, die Entwicklung von jungen Menschen zu fördern, zu begleiten und zu unterstützen.

Mit diesem Antrag soll daher ein kritischer Blick auf das Konsumverhalten legaler Drogen in den eigenen Reihen und der Gesellschaft geworfen werfen. Ziel ist es, einen bewussten Umgang mit dem Konsum von beispielsweise Alkohol, Nikotin und anderen legalen Substanzen zu finden. Es geht um eine Auseinandersetzung mit Gewohnheiten, ein Bewusstwerden der Gründe und Absichten hinter dem Konsum und einen guten Umgang mit Drogen – stets im Rahmen der Legalität.[1]

Definition und Problematik

Die Drogen, die in Deutschland den größten gesellschaftlichen Schaden verursachen, sind legale Drogen.[2]

Betrachtet man beispielsweise die Droge Alkohol, so starben in Deutschland im Jahr 2020 rund 14.200 Menschen (davon 10.600 Männer und 3.600 Frauen) an Krankheiten, die ausschließlich auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Bezieht man Krankheiten ein, bei denen Alkohol ein Mitfaktor ist, liegt die Zahl der alkoholbedingten Todesfälle noch deutlich höher. Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich über 40.000 Menschen in Deutschland vorzeitig an den Folgen ihres Alkoholkonsums sterben.[3] Beim Konsum von Nikotin stellt das Deutsche Krebsforschungszentrum fest, dass Rauchen die Hauptursache für Lungenkrebs ist. In Deutschland lassen sich 89 Prozent der Lungenkrebsfälle bei Männern und 83 Prozent bei Frauen auf das Rauchen zurückführen.

Besonders bedenklich ist der aktuelle Trend bei Jugendlichen, vermehrt zu Shishas sowie elektronischen Inhalationsprodukten wie E-Zigaretten und E-Shishas zu greifen, da diese oft als Einstieg in den Konsum klassischer Tabakwaren dienen und ebenfalls gesundheitliche Gefahren sowie Suchtpotenzial bergen.[4]

Warum manche Drogen legal und andere illegal sind, liegt an einer Kombination aus Geschichte, Kultur, Wissenschaft und Politik. Alkohol und Tabak sind tief in unserer Kultur verwurzelt und seit Jahrhunderten Teil sozialer Interaktionen. Andere Drogen wie Opioide werden zur medizinischen Behandlung von Krankheiten eingesetzt und sind unter strengen Regulierungen legal. Wirtschaftliche Interessen, wie die Schaffung von Arbeitsplätzen und hohe Steuereinnahmen durch
die Tabak- und Alkoholindustrie, spielen ebenfalls eine Rolle. Auch
wissenschaftliche Erkenntnisse über das Suchtpotenzial und gesundheitliche Risiken beeinflussen die Frage der Legalität.[5]

Die gesundheitlichen Risiken sind bei legalen Drogen wie Alkohol und Nikotin nicht unbedingt kleiner als bei illegalen Drogen. Ein Beispiel liefert die Droge Alkohol. Sie ist eine in Deutschland legale und kulturell akzeptierte Droge. Trotzdem stufen Forschende sie unter Berücksichtigung verschiedenster Gesichtspunkte als die schädlichste Droge ein.[6] Legal ist entsprechend nicht mit ungefährlich gleichzusetzen. Auch durch Zigaretten werden viele Menschen
krank, Gefäßverkalkungen, Herzinfarkte und Lungenkrebs können Folgen vom Rauchen sein. Insbesondere bei Jugendlichen gilt es präventiv zu handeln, da sich deren Gehirne noch in der Entwicklung befinden und dadurch der Konsum von Drogen schädlicher ist.[7]

Neben den gesundheitlichen Risiken, die der Konsum von Drogen mit sich bringt, sind aber auch die sozialen und psychischen Faktoren von Substanzkonsum in den Blick zu nehmen. Viele Gepflogenheiten werden, wenngleich sie gesundheitsschädlich sind, oft nicht kritisch hinterfragt. Um in der Bevölkerung jedoch ein Bewusstsein über die Risiken von legalem Drogenkonsum hervorzurufen, muss das Thema immer wieder im Zentrum der Aufklärung stehen.

Denn der Konsum einiger dieser legalen Drogen ist in unserer Lebenswelt fest verankert – so auch innerhalb der katholischen Jugendverbände des BDKJ Bayern.

Der BDKJ Bayern definiert dabei jene Substanzen als legale Drogen, die frei verkäuflich und in der Breite der Gesellschaft akzeptiert sind. Darunter fallen insbesondere Alkohol, Nikotin/Tabak und Vapes.

1. Umgang im BDKJ

Die Jugendarbeit trägt eine besondere Verantwortung im Umgang mit legalen Drogen. Gleichzeitig soll in der Jugendarbeit ein sicheres Umfeld geschaffen werden, in dem jungen Menschen sich entwickeln können. Dazu gehört auch das Erlernen eines sicheren und bewussten Konsums legaler Drogen. Daraus ergibt sich folgender Selbstanspruch:

  • Wir kennen unsere eigenen Grenzen.
  • Wir akzeptieren die Grenzen und Entscheidungen anderer.
  • Wir beachten gesetzliche Regelungen – insbesondere den Jugendschutz.
  • Wir helfen und intervenieren, wenn wir Drogenmissbrauch bei anderen bemerken.
  • Wir bieten bei Veranstaltungen attraktive alkoholfreie
    Getränkealternativen an.
  • Wir hinterfragen stets aktiv unser Konsumverhalten.
  • Wir sehen davon ab, andere zum Konsum von (legalen) Drogen zu überreden.
  • Leitungspersonen wissen sowohl um die besondere Verantwortung bei ihrem eigenen Konsum als auch um die Verantwortung innerhalb des Verbandes, um die Einhaltung der jeweilig gültigen Schutzvereinbarungen zu gewährleisten.

3. Forderungen an die Politik

Um den verantwortungsbewussten Umgang mit legalen Drogen zu fördern und gesundheitliche Risiken zu minimieren, sind sowohl gezielte als auch strenger regulierende politische Maßnahmen erforderlich. Folgende Maßnahmen können dazu beitragen, Impulskäufe von legalen Drogen zu verhindern und somit einen bewussteren Konsum zu fördern:

  • Präventionskampagnen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit legalen
    Drogen durch die Bayerische Staatsregierung.
  • Mehr staatliche Investitionen in Präventionsprogramme und Suchtforschung.
  • Staatliche Förderung von Unternehmen, die drogenfreie – insbesondere
    alkoholfreie – Alternativen entwickeln und diese herstellen.
  • Unterbindung von Anreizen zu übermäßigem Konsum legaler Drogen durch
    unverhältnismäßige Rabatte.
  • Einheitliches Werbeverbot für legale Drogen.
  • Einführung von einheitlichen neutralen Verpackungen für alle legalen
    Drogen. Deutliche Warnhinweise über die gesundheitlichen Risiken des
    Drogenkonsums sollen auf der Verpackung abgebildet werden.
  • Stärkere Orientierung der gesetzlichen Regelungen an den
    wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Zusammenfassend fordert der BDKJ Bayern eine umfassende gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Substanzkonsum und Suchtprävention von legalen Drogen. Es ist notwendig, ein risikobewusstes und reflektiertes Konsumverhalten zu fördern, sowohl innerhalb unseres Verbandes als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Durch gezielte Präventionsmaßnahmen, gesetzliche Anpassungen und eine verstärkte Aufklärung können wir einen verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit legalen Drogen unterstützen.


[1] Auch Medikamente wie Benzodiazepine oder Z-Substanzen sind hierzulande erlaubt. Die einzige Ausnahme: Einige Arzneimittel fallen unter das Betäubungsmittelgesetz und können ausschließlich gegen Vorlage eines BtM-Rezepts legal erworben werden. In diese Gruppe lassen sich Medikamente wie starke Opiate
und Opioide einordnen.
Diverse synthetische Drogen, die unter dem Namen Legal Highs bekannt sind, sind auch legal. Aufgrund bestimmter Gesetzeslücken kann es noch immer passieren, dass einige dieser künstlich erzeugten neuen Substanzen erlaubt sind. Diese beschriebenen legalen Substanzen wollen wir hier ausklammern und sehen sie nicht als in unserer Lebenswelt fest verankert.

[2] vgl. Atzendorf et al. (2019): The Use of Alcohol, Tobacco, Illegal Drugs and
Medicines
(https://europepmc.org/backend/ptpmcrender.fcgi?accid=PMC6804269&blobtype=pdf)

[3]Alkoholkonsum in Deutschland: Zahlen & Fakten | BMG

[4]Tabakatlas Deutschland 2020; Rauchen – Zahlen und Fakten

[5] Rauschfrei.be: Warum sind einige Drogen legal und andere nicht? (https://www.rauschfrei.be/drogen/drogen/drogen-legal/)

[6] vgl. Nutt et al. (2010): Drug harms in the UK: a multicriteria decision
analysis (https://www.ias.org.uk/uploads/pdf/News%20stories/dnutt-lancet-
011110.pdf
)

[7] vgl. Konrad et al. (2023): Brain Development during Adolescence
(https://europepmc.org/backend/ptpmcrender.fcgi?accid=PMC3705203&blobtype=pdf