Goldstatus für´s Ehrenamt

Goldstatus für´s Ehrenamt

Landesversammlung 2026

05.07.2026


Hinweis: Hierbei handelt es sich um eine noch nicht abschließend redigierte Fassung unseres Beschlusses. Wir reichen eine endgültige Fassung nach.

Millionen von Menschen engagieren sich in Bayern ehrenamtlich und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie unterstützen Menschen in Not, setzen sich für Umwelt- und Klimaschutz ein, gestalten Jugendarbeit, stärken das Leben im ländlichen Raum und übernehmen Verantwortung in ihren Gemeinden. Ohne dieses Engagement wäre das soziale,
kulturelle und demokratische Leben in unserem Land deutlich ärmer.

Ehrenamtliches Engagement ist in Deutschland tief verwurzelt, befindet sich jedoch in einem deutlichen Wandel. Laut dem Freiwilligensurvey der Bundesregierung engagieren sich rund 37% der deutschen Bevölkerung freiwillig. Gleichzeitig verändern sich Formen, Erwartungen und Rahmenbedingungen des Ehrenamts: Während früher häufig langfristige, kontinuierliche Engagements in Vereinen und Organisationen im Vordergrund standen, gewinnen heute projektbezogene, flexible und zeitlich befristete Engagementformen zunehmend an Bedeutung. Besonders junge Menschen wünschen sich Engagement, das sich mit Ausbildung, Studium, Beruf und Familie vereinbaren lässt.[1]

Mit diesem Wandel verändern sich auch die Anforderungen an Wertschätzung und Unterstützung ehrenamtlichen Engagements. Ehrenamtliche investieren Zeit, Energie und Kompetenzen ohne finanzielle Gegenleistung. Dennoch erleben viele Engagierte, dass ihre Arbeit zwar gesellschaftlich als „unverzichtbar“ bezeichnet wird, die tatsächliche Anerkennung und Unterstützung jedoch häufig
unzureichend bleibt.

Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Wertschätzung ein zentraler Faktor für Motivation, Zufriedenheit und langfristige Bindung im Ehrenamt ist. Fehlt Anerkennung, steigt die Gefahr von Frustration und dem Abbruch des Engagements.[2]

Wertschätzung im Ehrenamt bedeutet mehr als nur Dankesworte. Sie zeigt sich auch in verlässlichen politischen Rahmenbedingungen, konkreter Unterstützung, fairer finanzieller Absicherung, Weiterbildungsangeboten und dem Abbau unnötiger bürokratischer Hürden. Eine gelebte Anerkennungskultur stärkt das Zugehörigkeitsgefühl, fördert Motivation und sorgt dafür, dass Menschen sich langfristig engagieren können und wollen. Organisationen und Gesellschaft profitieren nachhaltig von Ehrenamt, wenn Anerkennung strukturell verankert und politisch ernst genommen wird.

Der BDKJ Bayern fordert daher:

1. Ausbau und Reform der Bayerischen Ehrenamtskarte

Die Bayerische Ehrenamtskarte muss als landesweites Anerkennungsinstrument weiterentwickelt werden. Bisher wird ehrenamtliches Engagement von jungen Menschen zu wenig bei den Angeboten und Vergabekriterien berücksichtigt. Der BDKJ Bayern fordert:

  • einen deutlichen Ausbau der teilnehmenden Angebote und Vergünstigungen. Es muss darauf geachtet werden, dass die Angebote und Vergünstigungen auch für junge Menschen attraktiv und relevant sind und, dass Wirtschaft und Kultur stärker für Angebote eingebunden werden,
  • flexiblere Zugangshürden und Vergabekriterien. Für die Vergabe der goldenen Ehrenamtskarte soll nicht nur die Dauer des Engagements, sondern auch andere Faktoren, wie beispielsweise ein besonders hoher zeitlicher Aufwand, berücksichtigt werden
  • sowie eine landesweite, aktive Bewerbung der Ehrenamtskarte.

2. Politische Förderung von Weiterbildung und Kompetenzanerkennung

Im Ehrenamt erworbene Kompetenzen sind gesellschaftlich wertvoll und müssen anerkannt werden. Ehrenamt darf nicht durch Schule, Ausbildung, Studium oder Beruf verhindert werden. Der BDKJ Bayern fordert:

  • die verbindliche Anerkennung ehrenamtlich erworbener Kompetenzen in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf (z. B. durch Zertifikate, Credit- Points oder Anrechnungsmöglichkeiten)
  • sowie die finanzielle Übernahme von Fortbildungs- und Qualifizierungskosten bei allen ehrenamtlichen Tätigkeiten.

3. Finanzielle Absicherung und soziale Gerechtigkeit im Ehrenamt

Ehrenamt darf nicht vom eigenen Einkommen abhängen. Politik ist gefordert, finanzielle Hürden abzubauen. Finanzielle Anerkennung ist keine Bezahlung des Ehrenamts, sondern eine Voraussetzung für Chancengleichheit. Wir fordern:

  • die finanziellen Mittel für eine vollständige Erstattung ehrenamtsbedingter Kosten (z. B. Fahrt-, Material- und Betreuungskosten),
  • einen garantiert durch den Arbeitgeber bezahlten Jugendleiter*innensonderurlaub
  • sowie eine deutliche Anhebung der steuerlichen Freibeträge für Aufwandsentschädigungen und Ehrenamtspauschalen.

4. Bürokratieabbau und verlässliche Unterstützungsstrukturen

Ehrenamt braucht Freiräume und funktionierende Strukturen. Die bürokratische Belastung von Ehrenamtlichen, vor allem mit Leitungs- bzw. Vorstandsfunktion, ist hoch. Dadurch bleibt weniger Zeit für die eigentliche ehrenamtliche Arbeit, was die Attraktivität für Vorstandsposten senkt.[3] Wir fordern:

  • den konsequenten Abbau unnötiger bürokratischer Hürden (z. B. Antrags-, Nachweis- und Dokumentationspflichten)
  • sowie einfache, digitale und transparente Verwaltungsprozesse.

Politische Rahmenbedingungen müssen sicherstellen, dass Ehrenamt freiwillig bleibt und Freude macht. Engagement darf nicht zur strukturellen Überforderung werden. Die Politik trägt Verantwortung dafür, dass Ehrenamt nicht Lücken staatlicher Daseinsvorsorge füllt, sondern als freiwilliger Beitrag anerkannt
und unterstützt wird.

Der BDKJ bringt den Beschluss als Antrag bei der 169. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings vom 16. – 18. Oktober 2026 ein.

[1] Fritzsche et al. (2025): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Bundeskanzleramt. Online abrufbar unter: https://www.bundesregierung.de/resource/blob/2348674/2393502/bd584f7043a033e56a1-
923af79abac55/2025-11-14-freiwilligensurveys-data.pdf?download=1

[2] Simonson et al. (2022): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Seite 115. Online abrufbar unter: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-35317-9

[3] Schachtler und Schlicht (2025): Engagement im Verwaltungsdschungel. Wie Bürokratie Deutschlands Vereine belastet. Deutsches Stifungszentrum GmbH. Heft 02/2025. Seite 14f. Online abrufbar unter: https://doi.org/10.37307/j.2366-2913.2025.02.07